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2. S-Bahn-Tunnel: Grüne lehnen offene Bauweise in der Kirchenstraße ab PDF Drucken E-Mail
Image Gegenüber dem Südring ist der 2. S-Bahn-Tunnel durch die Innenstadt für die Grünen nach wie vor die schlechtere Lösung. Unbedingt zu vermeiden ist aber eine offene Bauweise in der Kirchenstraße. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (17.10.05) begründet Stadtrat Jens Mühlhaus die kritische Haltung der Grünen zur derzeitigen Planung.

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SZ: Sie haben angekündigt, entschieden gegen die jetzige Tunnellösung für eine zweite S-Bahn-Stammstrecke vorzugehen. Warum?

Mühlhaus: Die Grünen waren schon immer für den Ausbau des Südrings. Aber als 2001 die Machbarkeitsstudie ein klares Ergebnis für den Tunnel brachte, ist die Stadt vom bis dahin favorisierten Südring abgerückt. Wir sagten uns: Wenn die beste Variante nicht möglich ist, müssen wir die zweitbeste nehmen.


SZ: Wenn Sie jetzt plötzlich auf den Zug der Gegner aufspringen, erscheint das vielen populistisch.

Mühlhaus: Nein, wir haben schon damals gesagt, die Studie ist nicht ehrlich gerechnet. Die Kosten für den Tunnel waren mit einer Milliarde Mark viel zu niedrig angesetzt. Jetzt liegen die erwarteten Kosten schon bei mehr als einer Milliarde Euro. Das ist eine Kostensteigerung von 100 Prozent. Gleichzeitig wurde der Südring – vor allem im Bereich Ostbahnhof – viel zu teuer gerechnet.


SZ: Inzwischen wird in ihrer Fraktion kontrovers über das weitere Vorgehen diskutiert. Gibt es in bestimmten Punkten schon Einigkeit?

Mühlhaus: Wir wollen die jetzt vorgeschlagene Planung so nicht akzeptieren, wenngleich wir vorerst die Tunnellösung weiter mittragen. Wir wollen aber auf keinen Fall eine offene Bauweise in der Kirchenstraße und die Zerstörung der Maximiliansanlagen hinnehmen. Die Planung in Haidhausen brachte das Fass zum Überlaufen.


SZ: Was hat das Fass vorher schon so voll laufen lassen?

Mühlhaus: Das war erstens die Kostensteigerung. Zweitens betrachten wir die extreme Tieflage des Tunnels als nicht menschenfreundlich. In Zeiten der großen Anschläge ist das auch ein Sicherheitsrisiko. Drittens sehen wir verkehrstechnische Schwierigkeiten, seit die fünf geplanten Haltestellen auf zwei reduziert wurden


SZ: Welche Möglichkeiten sehen Sie, Alternativen durchzusetzen?

Mühlhaus: Wir haben die Ordner vom Südring wieder rausgeholt. Aber wir sind als Stadtrat nicht Herr des Verfahrens. Wir werden im Lauf der Planfeststellung die Stadt aber auffordern zu handeln und Verbesserungen zu fordern.


SZ: Besteht die Gefahr, dass Münchens S-Bahn ganz leer ausgeht, wenn der Tunnel gekippt wird?

Mühlhaus: Wir sehen diese Gefahr. Darum sind wir vorsichtig mit unserer Kritik. Mit dem Tunnel und dem Transrapid stehen zwei riesige Projekte an. Wir sind uns in der Fraktion einig, dass beide zusammen nicht finanzierbar sind. Wenn man jetzt den Tunnel anschießt, ist er womöglich weg – und der Transrapid bleibt übrig. Deshalb können wir den Tunnel nicht ohne Alternativen ablehnen.


SZ: Aber die Vergleichsstudie kam ja auch zu dem Ergebnis, dass viele Probleme am Südring viel massiver sind.

Mühlhaus: Das Argument stimmt nicht. Es gibt beim Südring zwar Probleme mit Lärmschutz und im Weg stehenden Häusern. Auf der anderen Seite könnte man aber so den Lärmschutz für Untergiesing, Giesing und Untersendling stemmen. Das ist für alle ein Gewinn. Die städtischen Referate hatten bis ins Detail geklärt, dass es beim Südring kein Problem gebe, das man nicht lösen könnte.